die richtige dosis: digitalisierung im retail design

strauss workwear, bergkirchen. photo ken schluchtmann

strauss workwear, bergkirchen. photo ken schluchtmann

Wie sieht zeitgemäßes Retail Design aus?

die vernetzung diverser verkaufskanäle, eine gezielte kundenansprache außerhalb stationärer geschäfte, neue digitale technologien in der filiale, eine personalisierte ansprache sowie das schaffen von mehrwerten für den kunden sind die großen themen des stationären handels für die kommenden jahre. im gegensatz zu europa, wo die transformation nur schleppend voranschreitet, ist in den usa und vielen ländern asiens bereits ein selbstverständlicher umgang mit digitalen medien zu beobachten, der deutlichen einfluss auf die präsentation der marken nimmt. für die international agierende agentur plajer & franz studio, die auf eine ganzheitliche beratung von marken und die planung von online-offline-konzepten spezialisiert ist gilt: art und umfang digitaler technik im store wird bestimmt durch markenausrichtung und zielgruppe.

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PUMA brandstore, osaka, meeting point. photo ken schluchtmann

die gestaltung des einkaufserlebnisses geht heute über das entwerfen und realisieren optisch gefälliger shop-flächen weit hinaus. es geht darum die dna der marke mit ihrem charakter, ihren werten und ihrer philosophie möglichst emotional widerzuspiegeln, um für den kunden erlebbar und attraktiv zu sein. entsprechend sind stores nicht mehr einfach nur orte zum einkaufen. als haptischer gegenpol zur online-welt werden sie durch erweiterte nutzungsangebote für kulturelle und soziale events zum treffpunkt einer gleichgesinnten community.die zusammenführung von kassenbereich und gastronomischen angeboten etwa, die den bezahlvorgang mit einer entspannten café-atmosphäre verbindet, ist nur eine von vielen maßnahmen, wie die marke emotional, spürbar und kommunikativ erlebbar wird. das analoge erlebnis wird schöner, die digitale welt ihr perfekter begleiter – solange es überall freies wifi gibt.

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karl lagerfeld store paris, fotoshooting in der umkleidekabine als selfi ipad feature. photo michel figuet

im mittelpunkt der mensch

am ausgangspunkt der transformation des einzelhandels im letzten jahrzehnt stehen der konsument und seine bedürfnisse. er hat heute höhere ansprüche, ist kritischer und legt viel wert auf individualität und kreativität. diesen bedürfnissen müssen marken gerecht werden, wobei den läden und ihrer gestaltung eine gewichtige rolle zukommt. aspekte wie kundeninteraktion und der „community-faktor“ spielen dabei eine besondere rolle. der ausbau von omnichannel-angeboten schafft  neue möglichkeiten für den handel, doch muss auch das design des stores eng verknüpft sein mit dem content der digitalen möglichkeiten. soll der kunde sich auf das reale erlebnis konzentrieren, anstatt auf sein iphone, ist ein gezielter und bewusster einsatz digitaler angebote unumgänglich. das unternehmen engelbert strauss, ein versandhandel für berufsbekleidung, setzt mit den von plajer & franz studio geplanten stores sogar seit ein paar jahren ganz bewusst wieder auf eine haptische erfahrbarkeit seiner markenwelt.

shinsegae department store, busan, südkorea, projektierung einer instagram-wall

shinsegae department store, busan, südkorea, projektierung einer instagram-wall

digitale retail welt in asien

die berliner agentur plajer & franz studio ist seit vielen jahren auf dem asiatischen markt aktiv und erfolgreich. auch wenn man sich in asien oft an europäischen und amerikanischen standards orientiert, ist die verbreitung der neuen medien, insbesondere sozialer netzwerke sowie die nutzung von mobiltelefon und internet hier besonders ausgeprägt. viele asiatische marken setzen deshalb bereits heute auf ganzheitliche multi-/omnichannel-ansätze. in korea und china dient die app wechat beispielsweise zum direkten austausch unter den usern und ersetzt vielerorts schon andere bezahlsysteme. einkaufserlebnisse entwickeln sich hin zu einer verschmelzung von analogem und digitalem shopping, auf instagram-walls werden looks aus den umkleiden gepostet und das direkte erfassen und vernetzen von gruppen und mitgliedern wird beim betreten der stores ermöglicht. das alles setzen retailer ganz selbstverständlich und in verbindung mit aktionen und events ein.

galerie lafayette, jakarta. phtoto ken schluchtmann

galerie lafayette, jakarta. phtoto ken schluchtmann

retail design muss mit der zeit gehen, muss flexibel gestaltet werden, veränderbar bleiben und dabei neue denkansätze, designformen, technologien und marketingstrategien einbeziehen. doch letztlich liegt die primäre aufgabe der retail designer im erzeugen von erlebnisräumen, die digitale welt lässt sich nur bedingt darin einbeziehen. für plajer & franz gilt daher: create a social space rather than a retail space!

Der Artikel wurde veröffentlicht bei AIT Dialoge